Mit dem Rhythmus der Natur gehen

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Anita
Donnerstag, 16. Juli 2015 - 15:20

Der weibliche Weg verläuft in Zyklen. Ein halbes Frauenleben lang bestimmt der Monatszyklus das Leben der Frauen. Ohne Hormone und ohne künstliches Licht dauert der Zyklus genau eine Mondphase, 28 Tage. Stellt euch vor wie stark diese Kraft gewesen sein muss, als es auf der Erde noch kein künstliches Licht gegeben hat und alle Frauen auf der Erde im Mondrhythmus mitschwangen!
In der Natur verläuft alles in Zyklen: Die Sonne geht auf und wieder unter, der Mond nimmt zu und wieder ab, die Tage werden länger und wieder kürzer. Und das Pflanzen- Tier- und Menschenreich folgt diesem Rhythmus. Einatmen, ausatmen. Dieser Rhythmus stützt uns und trägt uns. Er ist absolut verlässlich. Er gibt uns einen Takt vor, nach dem wir uns richten können, auf den wir uns einlassen können mit allem was wir tun. So ist es ratsam im Winter, wenn die Tage kürzer sind und alles um uns herum sich zurückzieht und dann auch noch zu Eis erstarrt, auch in die Ruhe zu gehen, sich in die warmen Wohnungen und in uns selbst zurückzuziehen, Innenschau zu halten und abzuwarten. Still und starr und andächtig. Bis das Licht allmählich wieder zurück kommt, die Tage länger werden, das Eis schmilzt und alles wieder ins Fließen kommt, die Säfte in den Bäumen zu steigen beginnen, die Knospen schwellen und aufbrechen, alles mit einem Schlag grünt und blüht. Unternehmungen, Geschäfte, Vorhaben, Vorsätze, Entwicklungen und Entfaltungen funktionieren besser und einfacher, wenn wir sie mit dem Rhythmus der Natur angehen. Das bedeutet in der Dunkelheit abzuwarten bis ein Bild entsteht, ein Herzenswunsch, eine Vision, die sich an Lichtmess (Neumond im Februar) zeigt. Die Nebel lösen sich auf, das Bild wird immer konkreter und farbenfroher bis es zur Frühlingstagundnachtgleiche (21. März) als Samen in die Erde gelegt wird. Dann wird das „Projekt“ gegossen, das junge Pflänzchen gehegt und gepflegt bis es blüht und Früchte ansetzt, die im Herbst ganz bewusst geerntet werden können. Mit Dankbarkeit und Fülle schauen wir auf das fruchtbare Jahr zurück und bereiten uns auf die wohltuende Stille der dunklen Jahreszeit vor, bereit mit dem wiederkehrenden Licht eine neue Vision zu empfangen.
Die Tradition der Jahreskreisfeste beruht auf diesem Kreislauf. Frauen treffen sich zu den Mond- und Sonnenfesten in der Natur, um sich mit der Qualität der Jahreszeit zu verbinden und damit in Resonanz zu gehen. Wer dies ein Jahr lang gepflegt hat, kommt nicht mehr auf die Idee, im November ein neues Projekt anzugehen. Es ist vorauszusehen, dass das unglaublich viel Kraft kosten wird. Auch ist es für das gesamte kommende Jahr eher abträglich, wenn diese Ruhephase nicht genutzt wird. Woher soll dann die Kraft kommen, wenn man sie im Frühjahr braucht?

Wir schließen uns also dem Rhythmus der Natur an, wenn wir den weiblichen Weg gehen wollen. Er führt uns zu uns selbst. Das gibt uns das Vertrauen, dass jeder Schritt richtig ist und wir wissen werden, was als nächstes kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. Warten können ist wichtig. Wir spüren, wann der richtige Zeitpunkt ist und dann handeln wir. Das braucht ein bisschen Muße. Und so ist der weibliche Weg eher der passive, der ruhige, der genießende, der sinnliche Weg. Wir müssen lernen, dass es auch gut ist, einfach nur zu sein. Nichts machen, nichts erreichen, nicht funktionieren. Aber das wird in der heutigen Zeit nicht belohnt. Das Leistungsdenken fängt schon in der Vorschule an und zieht sich durch das gesamte Berufsleben. Mann und Frau ist nur etwas wert, wenn man arbeitet. Für das Sinnieren, das Spüren, das Genießen gibt es keine Anerkennung. Das wird als Faulheit bezeichnet. Dabei es ist so wichtig, sich auch mal auszubreiten, ganz weit zu werden und den Druck rauszunehmen. Aber sogar unsere Flüsse sind alle begradigt, dürfen nicht mehr über die Ufer treten und die Auen fluten, gemächlich dahinfließen.